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| Stand 15.6.2005 | |||
![]() Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung Künstler_Innen der Ausstellung Terre Thaemlitz · Lovebomb / Ai No Bakudan |
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Artist
Statement:
Die Liebe zur Religion. Die Liebe zum Land. Die Liebe zur Familie. Die Liebe zu FreundInnen. Die Liebe zum Team. Die Liebe zu Jesus, Jehova, Allah, Islam, Hinduismus, Buddha, Jim Jones, Aum Shinri Kyo, dem Papst. Die Liebe zur Freiheit, zum Geld, zum Kommerz, zur Lebensart. Die Liebe zur Jagd, zum Cruisen, zum Aufgabeln, zum Töten, dem Treffer, den Schreien, den Fäusten, den Messern, dem Speichel, den Stößen, den Treppenstürzen. Die Liebe zum Beat.1 Der Beat. Der globale Dancefloor. Was für ein sinnloser territorialer Anspruch. Wie jede andere Nation benutzt die House Nation einen Ansturm von Liebes-Samples, um finanzielle Abzockereien, schlechte Deals, Unterschlagungen, Ausbeutung, Drogen und organisiertes Verbrechen zu übertönen. Ich will damit nicht andeuten, dass alle ClubbesitzerInnen, PromoterInnen, OrganisatorInnen, PerformerInnen oder andere kriminelle Absichten hegen. Im Gegenteil, ich ergebe mich der Großzügigkeit und Aufmerksamkeit vieler anständiger Menschen, die von ihren verschiedenen Versionen von Community-Formierung angetrieben werden. Aber wie bei der Einnahme von Drogen (controlled substances) ist die genüssliche Suche nach Vision in einengende Korruption verwickelt. Der ohrenbetäubende Appell der Clubszene, sich gegenseitig zu lieben, kann nicht von der gedämpf-ten Atmosphäre der Geschehnisse hinter verschlossenen Türen getrennt werden. Pop, Country, Jazz, Soul, R&B, Klassik ... all diese Musikarten fließen über von Love, einem so allgegenwärtigen Begriff, dass wir ihm die Autorität einer unhinterfragten Bedeutung verleihen. Dieses englische Wort taucht in vielen Songs auf, die in anderen Sprachen überall in der Welt gesungen werden. Ebenso wie Hollywoods Bilder amerikanischer Verhaltensweisen in der Liebe, von Berührungen und Küssen überall auf der Welt sichtbar und profitabel sind. Auch hier sind wir schnell dabei, all dem die Autorität von Bedeutung zuzugestehen eine scheinbar unabweisbare Anerkennung der Universalität (Westlicher2) Liebe. Aber es gibt sie, die kulturellen Differenzen in Sachen Liebe, wie jeder beliebige un-wissende Amerikaner, wenn er Zeuge der kalten Reserve und Distanz zwischen typischen japanischen Liebenden wird, feststellen kann. Während viele japanische Jugendliche sich der Liebe im Stil von Hollywood zu-wenden, tragen Westliche jüdisch-christliche Modelle sexueller Repression und Befreiung wenig zur Erklärung dieser Prozesse sexuellen Austausches bei. Trotz der sich ausbreitenden globalen Ansteckung durch Westliche Heterosexuelle und Homosexuelle Verhaltensweisen sind Liebe, Intimität, Leidenschaft, Berührung und Sex immer noch nicht so singulär (oder triangulär zwischen Modellen von Lesbisch, Schwul, Straight3) wie wir gerne glauben wollen. Wenn Liebe wirklich so universell wäre, wieso sind dann selbst innerhalb westlicher Kulturen individuelle Erwartungen im Hinblick auf Partnerschaft so spezialisiert? (Dieser Text ist ein Ausschnitt des Katalogbeitrags von Terre Thaemlitz, Übersetzung: Nanna Heidenreich.) |
![]() ![]() ![]() Terre Thaemlitz: Lovebomb / Ai No Bakudan Videostills, Japan, Comatonse Recordings, 2003 |
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Terre
Thaemlitz ist mehrfach ausgezeichneter Multimedia-Produzent, Autor,
Redner, Aufklärer (educator), Audio-Remixer, DJ und Betreiber
des Labels Comatonse Recordings. Seine Arbeit verbindet auf kritische
Weise Themen der Identitätspolitik - Gender, Sexualität, Klasse,
Linguistik, Ethnizität und 'Rasse' - mit einer fortwährenden
Kritik der sozioökonomischen Produktion kommerzieller Medienproduktion.
Diese Mannigfaltigkeit der Themen entspricht Thaemlitz' breitgefächerter
Produktionspalette, die elektroakustische Computermusik, cluborientiertes
Deep House, Digital Jazz, ambient und computerkomponierte neo-expressionistische
Piano-Soli umfasst. |
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| Fußnoten: 1 Wortspiel: von to beat - schlagen. 2 Im Englischen ist es oft üblich, für West und Western in einer kritischen Geste der Analyse von Hegemonie, Normativität und Dominanz die Großschreibung zu verwenden. Terre Thaemlitz hat in diesem Text in der gleichen Absicht auch Homosexual, Straight, Gay, Lesbian und Heterosexual großgeschrieben. Hier ist deshalb diese Praxis auch ins Deutsche übernommen worden; Anm. der Übersetzerin. 3 Straight wird häufig mit heterosexuell übersetzt. Der Begriff wird aber weniger für als heterosexuell definierte Praktiken verwendet, sondern beinhaltet eine wertende Komponente: Straight verweist wie der Begriff des Heteronormativen auch auf eine beschränkte Weltsicht und ein normatives Wertesystem. Da sich straight ebenso wie queer auch im Deutschen allmählich eingebürgert hat, wird hier auf eine Übersetzung verzichtet; Anm. der Übersetzerin. |
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