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Artist Statement:
Die Liebe zur Religion. Die Liebe zum Land. Die Liebe zur Familie. Die Liebe zu FreundInnen. Die Liebe zum Team. Die Liebe zu Jesus, Jehova, Allah, Islam, Hinduismus, Buddha, Jim Jones, Aum Shinri Kyo, dem Papst. Die Liebe zur Freiheit, zum Geld, zum Kommerz, zur Lebensart. Die Liebe zur Jagd, zum Cruisen, zum Aufgabeln, zum Töten, dem Treffer, den Schreien, den Fäusten, den Messern, dem Speichel, den Stößen, den Treppenstürzen. Die Liebe zum Beat.1
Der Beat. Der „globale Dancefloor”. Was für ein sinnloser territorialer Anspruch. Wie jede andere Nation benutzt die House Nation einen Ansturm von „Liebes“-Samples, um finanzielle Abzockereien, schlechte Deals, Unterschlagungen, Ausbeutung, Drogen und organisiertes Verbrechen zu übertönen. Ich will damit nicht andeuten, dass alle ClubbesitzerInnen, PromoterInnen, OrganisatorInnen, PerformerInnen oder andere kriminelle Absichten hegen. Im Gegenteil, ich ergebe mich der Großzügigkeit und Aufmerksamkeit vieler anständiger Menschen, die von ihren verschiedenen Versionen von Community-Formierung angetrieben werden. Aber wie bei der Einnahme von Drogen (controlled substances) ist die genüssliche Suche nach Vision in einengende Korruption verwickelt. Der ohrenbetäubende Appell der Clubszene, „sich gegenseitig zu lieben“, kann nicht von der gedämpf-ten Atmosphäre der Geschehnisse hinter verschlossenen Türen getrennt werden.
Pop, Country, Jazz, Soul, R&B, Klassik ... all diese Musikarten fließen über von „Love“, einem so allgegenwärtigen Begriff, dass wir ihm die Autorität einer unhinterfragten Bedeutung verleihen. Dieses englische Wort taucht in vielen Songs auf, die in anderen Sprachen überall in der Welt gesungen werden. Ebenso wie Hollywoods Bilder amerikanischer Verhaltensweisen in der Liebe, von Berührungen und Küssen überall auf der Welt sichtbar und profitabel sind. Auch hier sind wir schnell dabei, all dem die Autorität von Bedeutung zuzugestehen – eine scheinbar unabweisbare Anerkennung der Universalität (Westlicher2) Liebe. Aber es gibt sie, die kulturellen Differenzen in Sachen Liebe, wie jeder beliebige un-wissende Amerikaner, wenn er Zeuge der „kalten“ Reserve und Distanz zwischen typischen japanischen Liebenden wird, feststellen kann.
Während viele japanische Jugendliche sich der Liebe im Stil von Hollywood zu-wenden, tragen Westliche jüdisch-christliche Modelle sexueller Repression und Befreiung wenig zur Erklärung dieser Prozesse sexuellen Austausches bei. Trotz der sich ausbreitenden globalen Ansteckung durch Westliche Heterosexuelle und Homosexuelle Verhaltensweisen sind Liebe, Intimität, Leidenschaft, Berührung und Sex immer noch nicht so singulär (oder triangulär zwischen Modellen von Lesbisch, Schwul, Straight3) wie wir gerne glauben wollen. Wenn Liebe wirklich so universell wäre, wieso sind dann selbst innerhalb westlicher Kulturen individuelle Erwartungen im Hinblick auf Partnerschaft so spezialisiert?


(Dieser Text ist ein Ausschnitt des Katalogbeitrags von Terre Thaemlitz, Übersetzung: Nanna Heidenreich.)






Terre Thaemlitz: Lovebomb / Ai No Bakudan
Videostills, Japan, Comatonse Recordings, 2003