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Artist Statement:
Was mich dazu gebracht hat, Gender Trouble zu machen, war nicht die Faszination für die physiologischen Bedingungen von Intersexualität (Geschlecht, Chromosomen, sex), sondern für das emotionale Terrain der Heimlichkeit. Der Film setzt sich mit dem ‚Versteckten‘ auseinander, dem, was unter der Oberfläche in unseren Leben und unserer Gesellschaft liegt.
Meine Arbeit fokussiert die Demontage kultureller Konstruktionen und die repressiven Strukturen von Familie und Gesellschaft. Gender Trouble fordert die bi-nären gesellschaftlichen Konstruktionen von Geschlecht heraus, während meine früheren Filme Repräsentationen von Sexualität und Kindheit hinterfragt haben.
Mein Anliegen ist es, eine Sprache zu entwickeln, mit der Tatsachenmaterial dargestellt werden kann, das sich den Konventionen des Dokumentarfilms widersetzt. Bei Gender Trouble habe ich mich entschieden, keine autoritäre Erzählstimme zu wählen oder Interviews mit MedizinerInnen zu führen, sondern stattdessen mit den unvermittelten Zeugnissen der vier Frauen zu arbeiten. Sie sprechen das Publikum direkt an, während sie ihre persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen erkunden, und sind nicht als ‚Fallstudien‘ verortet, wie man das so häufig in der Praxis des Dokumentarfilms vorfindet. Stattdessen ist die Arbeit so strukturiert, dass wir dazu angeregt werden, uns selbst durch ihr Nachdenken über Geschlecht und Weiblichkeit zu betrachten. Sowohl als Individuen und wie auch als Gesellschaft sind wir auf ihrem Weg durch die Behandlungen einbezogen. Die Einsicht für Subjekt und Publikum hat eine Schlüsselfunktion, um zu kommunizieren, wie uns die Gesellschaft unser Verständnis dessen, was als Norm angesehen wird, vorschreibt.
Die Verwendung des Dekorativen und der Symbolik entstammt meiner Ausbildung als Textilkünstlerin und hat sich in meiner späteren Arbeit als Filmemacherin fortgesetzt. Die Gärten, Orchideen und gemusterten Tapeten, die in diesem Film vorkommen, verweisen auf Weiblichkeit und erkunden sinnlichen Genuss. Diese Bilder transformieren und verwandeln sich übergangslos, sie bewegen und verändern sich ständig, um dem Film einen dynamischen Rhythmus und Ruhelosigkeit zu verleihen, wodurch der Eindruck von Instabilität entsteht.
Ich habe Landschaften als visuelle Metaphern für Eingrenzung und Kontrolle gewählt. Dadurch wird man sich der Parallelen zwischen dem menschlichen Begehren danach, die Natur zu steuern (angelegte Gärten), und den Versuchen der Medizin, chirurgisch den ‚Unterschied‘ des intersexuellen Körpers auszulöschen, bewusst.
Die verunsichernde Positionierung dieser seltsamen und poetischen Bilder neben persönlichen Erzählungen erschafft möglicherweise eine Filmsprache für die komplexen Gefühle, die in diesem Film zum Ausdruck gebracht werden. Meine Absicht war es, über eine reine Dokumentation von Fakten hinaus und in den Bereich emotionaler Wahrheit zu gelangen.


Roz Mortimer: Gender Trouble
Barbara
Videostills, 2002
© Wonderdog Productions





Roz Mortimer: Gender Trouble
Melissa
Videostills, 2002

© Wonderdog Productions



Links:

www.ahn.org.uk – Adrenal Hyperplasia Network
www.medhelp.org/www/ais– Androgen Insensitivity Syndrome Support Group