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Artist
Statement:
Ich glaube, dass Kultur das primäre Medium für gesellschaftliche
Veränderungen ist. Für mich ist klar, dass Gesetze und gesellschaftliche
Verhaltensweisen kulturell bedingt sind.
Kunst ist eine Verbindung aus Freizeit und Arbeit, eine kreative Praxis,
die ihre eigene Anerken-nung bringt. Sie birgt das Potential bedeutender
persönlicher (persynel) Entwicklung und eine Form der Kommunikation,
die das eigene Herz ansprechen kann, oder die Herzen, Köpfe und
Kulturen von Milliarden.
Ich ziehe es vor, Arbeiten zu machen, die alle diese Elemente verbinden,
indem ich mein Streben nach persönlicher Entwicklung dazu verwende,
um zu einem Publikum über sehr viel größere Fragen zu
sprechen, und die kreativen Nacherzählungen meiner Erfahrungen
als eine Form kultu-reller Erzähltherapie einsetze.
Das Video Born Queer: dear doctors begann als ein Prosa-Gedicht
/ spoken word. Der Versuch, den medizinischen Missbrauch zu bewältigen,
hatte starke Auswirkungen auf mein Leben. Ich schrieb wütend, mit
Humor, metaphorisch und in Bejahung. Ich habe meine Kreativität
dazu ver-wendet, eine Geschichte dieser Erfahrungen in einer Weise nachzuerzählen,
aus der ich Kraft schöpfen konnte; sie verlieh mir eine Stimme,
um über diese entmächtigenden Erfahrungen zu sprechen, mit
meiner Perspektive als ihrem Zentrum.
Ein Teil meines Traumas durch medizinische Misshandlung ist die Abspaltung
von meinem Körper, vor allem das zur Sexualität. Insbesondere
seit ich die Wahrheit über meine frühere Behandlung herausgefunden
hatte, fühlte ich stärker, dass mein Körper das Ergebnis
von Pathologisierung und Experimenten war. Es wurde immer wichtiger
mich, eine grundlegende Beziehung zu meinem Körper und meiner Identität
zurückzugewinnen. Meinen heutigen gesunden Körper, meine Sexualität
und beider Attraktivität und Akzeptanz durch andere, nicht-intersexuelle
Menschen in den Vordergrund zu stellen, war mich eine Möglichkeit,
den Blick auf meine Identität und meinen Körper durch die
Linse körperlichen Begehrens und sexueller Objektivierung neu zu
fokussieren.
Mit BDSM-Praktiken als Vorbild habe ich meine eigene ermächtigte
(empowered) Sexualität mit meinen Missbrauchserfahrungen
zusammengebracht, um mir durch die Sexualisierung derjenigen Teile meiner
Erfahrungen und des Missbrauchs, die damals sowohl beängstigend
und schmerzhaft als auch besonders ent-sexualisierend waren, meine Vergangenheit
und mein Trauma anzueignen.
Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit, den ich für ausgesprochen wichtig
halte, ist, dass die Darstellung intersexueller Erfahrungen von einer
intersexuellen Künstlerin ist. Viele der kulturellen Repräsentationen
intersexueller Erfahrungen und Themen stammen bislang aus Studien und
Dokumentationen von außerhalb der Community. Das hat notwendigerweise
Darstellungen zur Folge, die von sensationsgierigen Beschreibungen über
kalte anthropologische / medizinische Studien und Abhandlungen bis zu
wohlmeinenden und mitfühlenden, aber objektivierenden und bloßen
Opferdarstellungen reichen.
Ich versuche besonders, eine Art der Repräsentation in den Vordergrund
zu stellen, die Persönlichkeit (persynality), Sexualität,
Intelligenz, Kraft, Schönheit betont alles Elemente, die
ein reich-haltigeres und komplexeres Bild erzeugen als spezifisch medizinische,
wissenschaftliche oder Mitleid erregende Präsentationen, die im
Kontext einer Ära der Entdeckung und Aufklärung
über das bloße Vorhandensein intersexueller Menschen so verbreitet
sind.
(Übersetzung: Nanna Heidenreich)
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Eli seMbessakwini: Born Queer:
dear doctors
Videostills, 2001
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